Länderprofil Italien

 

Allgemeine geographische und politische Informationen zu Italien finden Sie unter Photius Coutsoukis' Geographic.org (in englischer Sprache) und bei Wikipedia.



Trotz seiner langen Geschichte ist der heutige Staat Italien erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus vielen kleinen Einzelstaaten entstanden. Daher ist die Entwicklung in den einzelnen Regionen über Jahrhunderte hinweg getrennt voneinander verlaufen und es haben sich zum Teil sehr große Unterschiede herausgebildet und zwar in wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Hinsicht. Generalisierend von einer Nation zu sprechen, also z.B. "die Deutschen" ist immer problematisch, manchmal jedoch notwendig um sich kulturellen Phänomenen anzunähern oder mit Stereotypen umzugehen. Dies ist aus den genannten Gründen bei "Italienern" besonders schwierig. Besonders groß sind die Unterschiede zwischen Süditalien, dem so genannten
Mezzogiorno, und dem Norden. Trotz großer Bemühungen der Zentralregierung lässt sich das soziale Gefälle nur sehr langsam abbauen.

Das Parlamento Italiano bemüht sich auf seiner Website um (in italienischer Sprache) um Aufklärung. Häufige Regierungswechsel und ein für uns Deutsche schwer durchschaubares Parteiengeflecht gehören zur politischen Kultur und Tradition Italiens. Italien ist nach wie vor zentralistisch organisiert, obwohl dies der Struktur des Landes mit seinen gewachsenen regionalen Beziehungen nicht entspricht. Oft laufen selbst Kleinigkeiten, die besser vor Ort geklärt werden könnten, über den Schreibtisch eines Ministeriums in Rom. Allerdings gibt es seit einiger Zeit politische Bestrebungen, föderalistische Strukturen zu stärken. Die Website des Präsidenten des Ministerrates (nur in italienischer Sprache)
stellt das Arbeitsprogramm der italienischen Regierung und die Tätigkeiten des amtierenden Präsidenten vor. Ein Sonderteil behandelt ausführlich die wichtigsten aktuellen Fragen. Außerdem bietet die Webseite Zugang zu thematischen Bereichen. Italien ist die fünftstärkste Wirtschaftsnation der Welt und aufgrund der Vielseitigkeit und Leistungsstärke seiner Wirtschaft sowie wegen der großen Zuwachsraten ein interessanter und attraktiver Standort. Italienische Produkte zeichnen sich im internationalen Vergleich insbesondere durch elegantes Aussehen aus. Immer wieder konnten unterschiedliche italienische Wirtschaftszweige wie die Automobil-, Bekleidungs- oder Möbelindustrie gerade durch ihr Design ihre Stellung auf dem Weltmarkt behaupten. Man sagt: "Gibt man einem Deutschen Material, macht er daraus eine gut funktionierende Maschine. Gibt man das Material einem Italiener, erhält das Gerät spitzenmäßiges Design."



Zu den Folgen des oben bereits skizzierten Zentralismus zählen eine schwerfällige und ineffiziente Verwaltung, und strukturell bedingte Interessenkonflikte, die zu häufigen Streiks führen. Italien ist überbürokratisiert und die Gesetzeslage in vieler Hinsicht unübersichtlich. Das Misstrauen der Bürger gegenüber dem Staat sitzt in Italien daher besonders tief.
Da viele Bürger dem Staat misstrauen, werden Gesetze häufig umgangen. Steuerhinterziehung und Schattenwirtschaft sind ein bekanntes Phänomen. Folgerichtig verlässt man sich eher auf persönliche Kontakte als auf schriftliche Vereinbarungen.

Erfahrungen mit Italien als Urlaubsland können geschäftlich bedeutungsvoll werden. Ein ganz besonders wichtiger Faktor bei Geschäftsbeziehungen zu Italien sind jedoch gute persönliche Kontakte. Wenn Sie geschäftlich in Italien aktiv werden möchten, sollten Sie daher vor allem e
inen geeigneten Geschäfts- oder Ansprechpartner in Italien finden und zu diesem ein vertrauensvolles Verhältnis aufbauen: "Wir werden schon eine Lösung für Sie finden". Wenn Sie umgekehrt keinen guten Kontakt aufbauen konnten, wird man Ihnen oft mit folgendem Totschlagargument begegnen: "Das italienische Gesetz erlaubt dies nicht"

Auf der Suche nach geeigneten Partnern und für weitere Recherchen bietet sich die offizielle Seite des italienischen Außenministeriums an:
"Ministero degli Affari Esteri" (nur in italienischer und englischer Sprache). Auch das Portal der italienischen Außenhandelskammern (Camera di Comercio) bietet vielfältige Informationen, News, Events und Recherche, allerdings nur in italienischer Sprache. Eine Firmendatenbank mit ca. 3 Mio. italienischen Unternehmen und einer Suchfunktion auf Englisch bieten die Pagine Gialle. Das ISTAT - National Institute of Statistics (nur in italienischer und englischer Sprache)
bietet offizielle Statistiken in verschiedenen Rubriken.



Häufig wird die Kommunikation zwischen Deutschen und Italienern dadurch erschwert, dass auf beiden Seiten einseitige und reduzierte Bilder über das jeweils andere Land bestehen. Daraus können ernsthafte Verstimmungen resultieren. Übertrieben formuliert könnte man
das Verhältnis zwischen den Agnehörigen dieser beiden Nationen so formulieren: "Die Deutschen lieben die Italiener, aber sie achten sie nicht. Die Italiener achten die Deutschen, aber sie lieben sie nicht".

Italiener sind bekannt dafür, dass sie sehr schnell, lebhaft und viel sprechen. In der Tat legen sie viel Wert auf rhetorisches Geschick. Dies wirkt auf Deutsche oft ermüdend.
Zu Beginn von Besprechungen beispielsweise wird erst einmal eingeschätzt, wie sympathisch man sich findet.
Zudem zwingt die Unberechenbarkeit des Staates Italiener dazu, stets flexibel zu reagieren, "sich zu arrangieren". Für Deutsche ist es schwer zu durchschauen, wie sich bürokratische und organisatorische Probleme oder Missverständnisse am Ende oft "irgendwie" doch noch in Luft auflösen. In der Wahrnehmung der Italiener sind Deutsche daher wenig anpassungsfähig und unflexibel oder gar starrsinnig.



Obwohl die Globalisierung auch an Italien nicht vorbei geht und innerhalb italienischer Unternehmen eine gewisse Internationalisierung stattfindet ist der Führungsstil italienischer Manager in der Regel sehr "traditionell". Etwas zugespitzt könnte man im Vergleich etwa folgende Eigenschaften zuweisen:

Manager in Deutschland und Italien

Ganz allgemein lässt sich sagen, dass in Italien nichts so wichtig ist wie der gute Eindruck! Dies gilt für Italiener wie für Ausländer. Das Motto heißt: "fare bella figura" - eine gute Figur abgeben - und bringt die italienische Alltags- wie Geschäftskultur auf den Punkt. Ohne angemessene Kleidung und gepflegtes Erscheinungsbild wird man kaum respektiert und ernst genommen.Für Geschäftsleute ist selbst bei größter Hitze der Anzug ungeschriebenes Gesetz. Geschäftsfrauen kleiden sich in Italien in der Regel femininer als in Deutschland. Auch im Alltag sind grelle Farben und Muster, kurze Hosen und Sandalen Tabu. Zum Prinzip der "bella figura" gehört freilich auch gutes Benehmen: Arroganz, Grobheit und schlechte Manieren gelten als Todsünden. Verspätungen werden einem hingegen vor allem in Süditalien durchaus nachgesehen.

Literaturtipps:

Apa-Guide Italien (1999)
Hierbei handelt es sich in erster Linie um einen Reiseführer, bei dem die unterschiedlichen Regionen Italiens vor allem aus touristischer Sicht beschrieben werden. Daneben enthält das Buch jedoch auch zahlreiche interessante Informationen über Land und Leute und liefert Hintergründe über Kultur und Geschichte des Landes.

Brütting, Richard (1997): Italien-Lexikon. Berlin
In diesem sehr umfangreichen Buch sind alphabetisch Stichwörter aus den Bereichen Kultur, Wirtschaft, Geschichte und Gesellschaft aufgezählt. Das Auffinden von bestimmten Themen wird außerdem durch einen deutschen Index erleichtert. Neben zahlreichen Daten, Zahlen und Fakten werden hier auch interessante Beschreibungen zur historischen Entwicklung einzelnder Branchen geliefert.

Commer, Heinz/v. Thadden, Johannes (1999): Managerknigge 2000. München
Da in Italien gutes Benehmen und Auftreten besonders wichtig sind, lohnt sich ein Blick in dieses Handbuch. Zwar werden nicht unbedingt speziell italienische Umgangsformen beschrieben, doch können die meisten Tatsachen gut auf Italien übertragen werden. Speziell für bestimmte Länder (und darunter auch für Italien) ist im Anhang eine Übersicht enthalten.

Drüke, Helmut (2000): Italien - Wirtschaft, Gesellschaft, Politik. Opladen
Das neu überarbeitete Buch bringt zahlreiche Statistiken, Zahlen, Daten und Fakten über Italien. Gerade die wirtschaftliche Entwicklung und die einzelnen Branchen werden sehr übersichtlich dargestellt. Weiter werden Hintergründe über die gesellschaftliche und historische Entwicklung Italiens geliefert.

Gallenmüller-Roschmann, Jutta/Waldbauer, Stephanie (2000): In Italien arbeiten. Zu beziehen bei der ASKO Europastiftung Saarbrücken
In praktischen Übungen werden Situationen beschrieben, die bei Geschäftskontakten mit Italien auftreten können. Dazu werden Lösungsvorschläge angeboten, wie diese Schwierigkeiten zu lösen sind.

Rother, Klaus/Tichy, Franz: Italien - Geographie, Geschichte, Wirtschaft, Politik (2000). Zu beziehen über die wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt
In diesem Buch werden aktuelle Informationen über Italien gegeben. Gut sind vor allem die zahlreichen Hintergrundinformationen, der gut verständliche Stil, die zahlreichen Abbildungen und Grafiken.

Wrede-Grischkat, Rosemarie (1998): Manieren und Karriere. Wiesbaden
In diesem Buch werden generell Verhaltensregeln für den betrieblichen Alltag und besondere Anlässe gegeben. Speziell italienische Gebräuche werden nur gestreift, doch ist diese Einführung empfehlenswert, da sich fast alle Tipps für gutes Benehmen auch für Italien anwenden lassen.


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